Faden-Lifting: Schönheitschirurgie to-go?

  • von drspecht
  • 29.08.2018

Dr. Specht und „Bergdoktor-Mama“ Monika Baumgartner alias „Elisabeth Gruber“, Ingo Nommsen / ZDF

Wer wollte das nicht, jünger aussehen? Das sagt auch „Bergdoktor-Mama“ Monika Baumgartner, alias Elisabeth Gruber. Obwohl sie das überhaupt nicht nötig hat. Beim immer populärer werdenden sog. Faden-Lifting werden spezielle chirurgische Fäden dicht unter die Haut z.B. im Wangenbereich gezogen. Doch die damit zu erreichenden Korrekturen sind recht dezent und nicht dauerhaft. Außerdem gibt es auch dabei Risiken. Wir zeigen es und sprechen drüber. Hier der Link zum Beitrag in ZDF

Nachlese: Wie eigentlich immer, bekam ich auch diesmal Reaktionen von Zuschauern per Mail. Diesmal erregte meine Aussage im Beitrag, auch Heilpraktiker dürften dieses Faden-Lifting durchführen, das Interesse vieler. Die meisten konnten nicht fassen, dass dies rechtlich erlaubt ist. Manche allerdings waren im Gegenteil nicht mit meiner kritischen Haltung zu Heilpraktikern einverstanden. Einer meinte, Heilpraktiker hätten ja schließlich ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in einer schwierigen ärztlichen Prüfung auf dem Gesundheitsamt unter Beweis gestellt. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Hier meine erklärende Antwort in einer Mail:

„Sehr geehrter Herr ______,

herzlichen Dank für Ihre Mail. Darin schreiben Sie, Heilpraktiker hätten für Ihre Zulassung an den Gesundheitsämtern in schriftlichen und mündlichen Überprüfungen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten nachzuweisen.

Das ist falsch. Vielmehr ist diese sog. Heilpraktikerprüfung keine (naturheilkundliche) Fachprüfung, sondern ausschließlich auf den Aspekt der Gefahrenabwehr ausgerichtet. Sie soll die Bevölkerung vor Gefahren bewahren, die durch die Behandlung eines ungeeigneten Heilpraktikers drohen. Die Überprüfung soll insbesondere gewährleisten, dass der oder die Heilpraktiker/in über die erforderlichen Kenntnisse verfügt, zu erkennen, wann eine ärztliche Behandlung angezeigt ist. Die sog. Heilpraktikerprüfung ist demnach eine Unbedenklichkeitsprüfung und keine Fachprüfung im Sinne der Feststellung eines konkreten Ausbildungsstandes. Werfen Sie dazu einen Blick in das sog. Heilpraktikergesetz. Naturheilkundliche Verfahren bleiben bei der „Heilpraktikerprüfung“ sowieso unberücksichtigt.

Dieses nur mit kleinen Anpassungen auch heute noch geltende sog. Heilpraktikergesetz stammt vom 17. Februar 1939. Diese Prüfung ist also lediglich eine Über-Prüfung zur Abwehr von Gefahren für die Allgemeinheit, keinesfalls eine Prüfung, in der Fähigkeiten nachgewiesen würden, wie das etwa bei ärztlichen Staatsexamina der Fall ist. Dass diese Überprüfung allerdings nicht in der Lage ist, diese Gefahrenabwehr in jedem Fall zu garantieren, zeigt sich leider immer wieder in den Strafverfahren gegen Heilpraktiker nach tödlichen selbsterfundenen „Therapien“ wie z.B. in Brüggen.

Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu, dass die von Ihnen gerügte Praxis „Ärzte überprüfen Heilpraktiker“ möglichst schnell geändert werden sollte. Diese Überprüfung sollte in Gänze abgeschafft werden, weil dadurch genau der von Ihnen fälschlich vermutete Eindruck, hier handele es sich um eine ärztliche Prüfung, erweckt wird. Doch das wollen Heilpraktiker auf keinen Fall, weil sie ja dann nicht mehr der Hauch eines ärztlichen Qualitätsstempels umwehen würde. Dahinter steht in etwa derselbe Grund, warum Homöopathikahersteller ihre Zuckerkügelchen ausschließlich in Apotheken verkaufen wollen und nicht im Supermarkt oder Kiosk im Regal mit anderen Süßigkeiten, wogegen rechtlich überhaupt nichts spräche.

Bei Weitem sind nicht alle Ärzte gute Ärzte. Dort gibt es auch Scharlatane, genauso, wie es umgekehrt unter Heilpraktikern reelle, auf dem Boden der wiss. Medizin stehende Therapeuten geben mag. Die Gefahrenabwehrüberprüfung am Gesundheitsamt befähigt sie dazu aber keineswegs. Hilfreich dafür ist dagegen z.B. eine solide Ausbildung als Krankenschwester/-Pfleger (Gesundheits- und Krankenpfleger/in), Arzthelfer/in, Physiotherapeut/in.

Der derzeitige Zustand aber, dass Menschen, die außer einem Hauptschulabschluss keinerlei – wirklich keinerlei, weder eine medizinische noch sonst eine – Ausbildung nachweisen müssen, Eingriffe und Behandlungen durchführen dürfen, die solide ausgebildeten Pflegern, Krankenschwestern oder Physiotherapeuten unter Strafandrohung verboten sind, ist für ein zivilisiertes Land untragbar und sollte sofort abgeschafft werden.

Vermutlich sind Sie selbst „Heilpraktiker“ oder stehen einer Person, dieser Bezeichnung nahe. Möglicherweise haben Sie auch einfach nur „gute Erfahrungen“ mit jemanden dieser Bezeichnung gemacht. Insofern verstehe ich selbstverständlich Ihren Unmut. Wenn Sie sich aber die Fakten und damit die tatsächlichen rechtlichen Rahmenbedingungen anschauen, werden Sie die logisch und auch ethisch nicht haltbaren Diskrepanzen erkennen müssen.

Herzliche Grüße

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